Unser Founding Partner Prof. Dr. Bastian Halecker hat sein Netzwerk aktiviert und dabei Investor Florian Heinemann von Project A zum zweiten „Meet & Greet Entrepreneurship“ am 24. April 2019 auf den Campus der Beuth Hochschule für Technik eingeladen. Dieser sprach über die „10 Fehler, die (potentielle) Gründer vermeiden sollten“, wenn sie erfolgreich gründen wollen.  

Heinemann sprach über die 10 Fehler, die (potentielle) Gründer vermeiden sollten, wenn sie erfolgreich gründen wollen. Weil die natürlich auch für Food- und FoodTech-Startups Relevanz besitzen, wollen wir die Fehler hier gesammelt vorstellen.

Fehler #1: Nicht kleckern, sondern klotzen!

„Wer mittelmäßig plant, läuft große Gefahr, klein zu enden“, sagt Heinemann. Erfolgreiche Gründer schaffen es, Partnern und Mitarbeitern ihr großes Zielbild zu vermitteln. Davon inspiriert und motiviert können sie ihr volles Potenzial ausschöpfen. Zudem lassen sich so auch Investoren besser gewinnen.

Fehler #2: Das Produkt ist nicht im Fokus.

Eine positive UX ist enorm wichtig. Denn ein exzellentes Produkt stellt die Grundlage für jede nachhaltig erfolgreiche Firma dar. Gleichsam kann das Marketing nur als Katalysator fungieren. Das beste Marketing ist nicht imstande ein schlechtes Produkt zu kompensieren. Da Gründer in Deutschland in der Regel zu wenig „Liebe zum Produkt“ haben, ist es schon ein Alleinstellungsmerkmal, wenn man an sein eigenes Produkt wirklich glaubt.

Fehler #3: Keine oder zu wenig Tech- und Datenkompetenz zu haben.

Die Wirtschaft wird zunehmend digitaler. Umso bedeutender ist die entsprechende Tech-Kompetenz. Wer langfristig bestehen möchte, muss schon zu Beginn für eine gute Grundarchitektur sorgen. Stichwort Folgefehler, d.h. wer anfangs Zeit sparen möchte, setzt sich dem Risiko aus, später entstandene Fehler ausbessern zu müssen. Im Nachhinein nehmen diese aber viele Ressourcen (Zeit, Geld, Arbeitskraft etc.) in Anspruch. Zudem wird sich in Zukunft eine Datenkompetenz als DER Differenzierungsfaktor herausstellen.

Fehler #4: Die Finanzierungsrunden zu klein zu wählen.

In der Regel gilt, dass sich ein Unternehmen 15-18 Monate mit einer Finanzierungsrunde tragen muss. Hinzu kommt, dass eine Finanzierung beinhaltet, dass 20-25% der Unternehmensanteile abgegeben werden. Geringere Finanzierung bedeutet für viele Gründer ein größeres „Stück vom Kuchen“ behalten zu können. Tatsächlich ermöglicht eine höhere Finanzierungssumme aber eine höhere Wahrscheinlichkeit, seine eigenen Gewinne zu erhöhen. Letztlich kann sich mit jeder Finanzierungsrunde die Verhandlungsposition verändern.

Fehler #5: Sich die Finanzierungspartner schlecht zu wählen.

Einen schlechten Eindruck macht es für gewöhnlich, wenn man sich zu viele Finanzierungspartner ins Boot holt. Mehr Partner bedeutet nämlich auch, weniger Entscheidungsgewalt beim Gründer. Auch sollte man die Finanzierungspartner begrenzen, die nicht in der Lage sind, auch später noch Folgefinanzierungen zu übernehmen, also die „Dead Equity“ sind. Überdies muss man sich über das „Signalling“, welches eine geschlossene Partnerschaft bedeutet, bewusst werden. Unabhängig von der Substanz, die der Partner mit ins Geschäft einbringt, wird man sowohl mit den gegenwärtigen als auch den vergangenen Finanzierungspartnern assoziiert. Der Ruf der Partner fungiert eindeutig als Wettbewerbstreiber. Die Investorenwahl sollte wohlüberlegt sein, denn Geschäftsentwicklungen unterliegen einer Pfadabhängigkeit. Einen einmal eingeschlagenen Weg kann man nur schwer bis gar nicht mehr wieder wechseln.

Fehler #6: Einen Cap Table mit negativer Signalwirkung erzeugen.

Unabhängig von der Performance des eigenen Unternehmens kann die aufgebaute Kapitalstruktur weitere Entwicklungen hemmen. Es lohnt sich, sein Vorgehen auf seine mittel- und langfristigen Ziele abzustimmen, dann kann man sich einfacher ein attraktives Folgeinvestment sichern. Häufig resultieren Fehler im Zusammenspiel aus unerfahrenen Investoren und Erstgründern, die zu kurzfristig denken. Negative Signalwirkung: z.B. ein Startup, das noch im sehr frühen Stadium 4 Zahnärzte als Investoren, die zusammen bereits 50% der Anteile halten zu seinen Gesellschaftern zählt. Positive Signalwirkung: einen bekannten Business Angel mit maximal 20% beteiligen, der auch bei größeren VCs bekannt ist in einem frühen Stadium von der Idee und dem Potential überzeugen.

Fehler #7: Die Relevanz des Storytellings zu unterschätzen.

Nichts kann Menschen so gut mitnehmen, wie sie emotional abzuholen. Ihnen die Möglichkeit zu liefern, sich persönlich mit einem Anliegen zu identifizieren, hat ein oft unterschätztes Potenzial. Dabei ist das Storytelling genau dazu imstande. Und es kann als wesentlicher Wettbewerbstreiber bei Finanzierungsrunden und Recruiting fungieren. Weil die Wahrnehmung die Realität bestimmt bzw. die Realität einer Vision folgt, ist es von besonderer Bedeutung, die Wahrnehmung zu verändern.

Fehler #8: Sich in der zweiten Recruiting-Runde „schlechtes“ Personal zu holen.

Als Grundsatz sollte stets „gut schlägt günstig“ gelten. Gutes Personal muss der Fokus beim Recruiting sein. Sogenannte „A-Player“ zahlen sich auch auf lange Sicht aus und sollten unbedingt im Unternehmen gehalten werden. Auch aus diesem Grund ist die richtige Finanzierung von großer Bedeutung. Es ist eine Überlegung wert, sich Personal zu holen, dass für die vorliegenden Arbeiten noch „zu gut“ ist, sich aber später vollends auszahlt. Als der ultimative Visionsträger sollte der Gründer das Recruiting übernehmen, um die Personalauswahl auf die langfristigen Ziele ausrichten zu können.

Fehler #9: Der Aufbau der Infrastruktur und der Systeme ist entweder schlecht oder findet erst spät statt.

Eine saubere Infrastruktur und ein gut sortiertes Datawarehouse, in dem die eigenen Daten übersichtlich archiviert und nutzbar gemacht werden, schaffen es, einem viele Ressourcen einzusparen. Zudem werden sie in Zukunft immer relevantere Erfolgsfaktoren darstellen. Gibt es hier Probleme, können diese zu Wachstumshemmnissen führen. Und auch in diesem Punkt zeigt sich wieder die Bedeutung der ausreichenden Finanzierung.

Fehler #10: Nicht die richtige Entscheidungs- und Unternehmensstruktur zu etablieren.

Wer sich eine datengetriebene, dezentrale und inhaltsfokussierte Struktur aufbaut, die auch Toleranz für Fehler aufweist und pragmatisch agiert, befindet sich auf der sicheren Seite. Denn dadurch kann man zu einer hohen Entscheidungstaktung und somit auch Weiterentwicklungsgeschwindigkeit gelangen. Messbare Leistungen können hierarchisch getriebene Entscheidungen vermeidbar machen. Folglich minimiert man so auch die Gefahr, eine inhaltsferne, politisch motivierte Kultur entstehen zu lassen. Außerdem kann dies den positiven Nebeneffekt von freigesetzter Produktivität haben, da jeder Mitarbeiter Einfluss auf die Qualität der Entscheidungen nehmen kann.

Einen herzlichen Dank an Florian Heinemann für den inspirierenden Vortrag und das Teilen seiner Expertise! Wir bedanken uns auch bei der Beuth Hochschule für Technik Berlin für die Durchführung des “Meet & Greet Entrepreneurship #2” auf ihrem Campus.