• Ein New Yorker Programmierer hat sich einen vollautomatisierten Bot gecodet, der ihm auf Instagram zu Vergünstigungen in Restaurants und Cafés verhilft.
  • Das Influencing gestaltet sich hier über das Reposten von Content anderer Nutzer und kalkuliertes Massenfollowing.
  • Influry-Gründer und -CEO Levin Vostell erklärt, warum das Beispiel nur begrenzt auf Unternehmen übertragen werden kann und welchen Stellenwert die menschliche Komponente beim Influencing hat.

Was bekommt man, wenn man einen Programmierer aus New York hungrig werden lässt? Im Fall von Chris Buetti einen vollautomatisierten Instagram-Account, der für ihn das Food Influencing übernommen hat und ihm so zu der ein oder anderen Gratismahlzeit verholfen hat.

Dieser Coup ist ihm mit einem selbst programmierten Bot über @beautiful.newyorkcity gelungen. Dafür wurde auf dem vollautomatisierten Account im ersten Schritt ein interessanter Feed etabliert, dem andere Nutzer folgen wollen. Und zwar mit dem erneuten Posten von strategisch ausgewähltem und originellem Content anderer Accounts. Dadurch ist die Followerzahl schnell gestiegen und die Reichweite des Accounts hat sich erhöht. Mittels systematischem Massenfollowing einschließlich Zurückfolgen hat Buettis Bot seinen eigenen Followerkreis weiter vergrößert.

Und als er eine gewisse Relevanz entwickeln konnte, hat der Bot sogar Kontakt mit Restaurants, Cafés und anderen Food-Stores Kontakt aufgenommen, um im Gegenzug für Posts Gratismahlzeiten, Gutscheinen oder anderen Vergünstigungen zu kommen.

Niemand hat’s bemerkt…

Das Erstaunliche daran: Zu keinem Zeitpunkt war den Followern oder gar den angeschriebenen Restaurants klar, dass sich hinter dem Account gar kein Mensch versteckt.

Gegenüber Buzzfeed-News erklärte Buetti, dass Influencing nicht mehr nur an Persönlichkeiten gebunden sein muss, um von Erfolg gekrönt zu sein. Seine persönliche Inspiration war der Account von @FuckJerry. Dieser „sammelt“ (diplomatisch ausgedrückt) den Content anderer Nutzer und veröffentlicht ihn gebündelt unter diesem Account. Dabei muss er zu keinem Zeitpunkt selbst an die Öffentlichkeit treten.

“Schon rechtlich ist es fragwürdig”

Wir haben mit Levin Vostell, dem Founder und CEO von Influry – einer Influencing Marketing Plattform und Partner von HUNGRY VENTURES – gesprochen. Anders als die oben zitierten Stimmen steht er dem Konzept eher skeptisch gegenüber. Er rät zur Vorsicht: „Schon rechtlich ist es in Deutschland wohl fraglich, ob man so etwas als Unternehmen umsetzen kann. Für größere Content Creators ist es vermutlich egal, dass man sie verlinkt. Sie könnten allerdings trotzdem klagen.“

Bei Influry werden Unternehmen mit (menschlichen) Influencern zusammengebracht. Vostell kennt sich somit ganz genau mit den Vorteilen und Risiken aus, die beim Influencing entstehen. Aus seiner Sicht kann ein Mensch einfach nicht von einer Künstlichen Intelligenz ersetzt werden. „Menschen können Bindungen aufbauen. Das fehlt bei der Interaktion mit Bots total. Die können bspw. auch keine Ironie erkennen. Das Influencing in Kommentaren könnte für Unternehmen dadurch nach hinten losgehen.“

Auf Unternehmen ist dieses Bot-Influencing nicht übertragbar

Aber er kann dem Einsatz von Bots auch Positives abgewinnen. „Man kann seine Reichweite erhöhen, wenn man das Liken von fremden Beiträgen einem Bot überlässt. Letztlich muss man sich immer die Frage stellen, ob und welchen Mehrwert so ein automatisierter Bot haben könnte. Sind es z.B. die 700€ Werbekosten, die man einspart, wirklich wert, so viele Ressourcen zu investieren?“

Buettis Geschichte ist durchaus interessant, wenn auch nicht übertragbar auf Unternehmen. In naher Zukunft ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass konventionelles Influencing von Künstlicher Intelligenz abgelöst werden kann, vor allem weil der erfolgreichste Content in den Sozialen Medien überwiegend menschliche Komponenten hat.

Wir bedanken uns vielmals bei Levin Vostell für das Interview zu diesem Thema.