Thomas Andrae bei Hungry Ventures

Jede Plattform schöpft davon, dass sie Expertenwissen von Keyplayern bekommen kann. Das ist bei HUNGRY VENTURES nicht anders.
Heute hatten wir das Vergnügen Thomas Andrae – nebst Prof. Dr. Bastian Halecker ein Gründungsmitglied von HV – willkommen zu heißen.
als Investor konnte er so auch die Mitarbeiter von HV kennenlernen. Und wir wiederum in seinen Erfahrungsschatz eintauchen.
Zusätzlich zu seinem Werdegang hat er mit uns seine Einsichten zur Zukunft der deutschen und weltweiten Wirtschaft geteilt. 

“Wir hängen in fast allen Bereichen hinterher.“ 

Durch seine jahrzehntelange Mitarbeit bei diversen Vorreitern der Automobilindustrie hat er tiefe Einblicke in die Entwicklung der Digitalisierung. Weil er vor Ort dabei sein kann, wenn neue Errungenschaften gezeigt werden. Und fast alles tut sich dabei im Ausland. Das merkt man, findet er: „Wir sind hier [in Deutschland] nicht mehr an einem Ort, an dem Dinge vorangetrieben werden. Wir hängen in fast allen Bereichen hinterher.“ Als eindrucksvolles Beispiel führte er die Übernahme des deutschen Unternehmens KUKA AG durch das chinesische Unternehmen Midea Group an. Hier wurde ein wichtiger Akteur in der Robotikindustrie durch den Kauf von Aktien an das außereuropäische Ausland verloren, was sowohl in Deutschland, als auch der EU zu Diskussionen über den Schutz solcher Wettbewerbsteilnehmer führte.

Nachdem er uns noch etwas durch die Welt der KI-Entwicklung in unterschiedlichsten Industrien geführt hat und auch seinen Einfluss auf Haleckers Denke einging, wurde das Gespräch philosophisch. Andrae berichtete von einer Konferenz vor einigen Jahren, die ihn nachhaltig geprägt hat. Dort haben unter anderem Stephen Hawkins und Elon Musk gesprochen. Beide Redner gingen intensiv darauf ein, wie unsere technischen Fortschritte uns Menschen obsolet werden lassen. Deshalb müssen wir unbedingt Technologiefolgeforschung betreiben, meint Andrae. 

“Der Mittelstand trägt Deutschland.”

Andrae legte besonderen Augenmerk auf die radikalen Veränderungen, die uns noch bevorstehen. Seiner Meinung nach hat die Politik versagt, unser Land auf den Wandel entsprechend vorzubereiten. Und auch global wird es nach seinen Prognosen immer schwieriger werden. „Ich sehe keine großen Krisen vor uns. Ich sehe aber gerade in Europa immer mehr Probleme hochkommen. Wir werden marginalisiert zwischen China, Südostasien und den USA.“ 

Aber wir können auch mit Positivem aufwarten. Deutschland kann mit einem gut gefestigten Mittelstand im IoT und IIoT viel gewinnen. “Der Mittelstand trägt Deutschland.”

Er hat uns auch einen Lesetipp mitgegeben, der sich dem generellen Thema widmet:
Ein Interview der NZZ mit Peter Thiel.

Andraes ultimativer Ratschlag für deutsche Unternehmer

Andrae ist der Überzeugung, dass man der derzeitigen Situation nicht nur rein rational begegnen kann. Ansätze aus bspw. der Philosophie können helfen, die Entwicklungen zu verstehen. Und auch aus vergangenen Umbrüchen kann man Lektionen ziehen, wie etwa die Bauhaus-Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg. Jedoch waren diese alle weniger abrupt. 

Zum Abschluss teilte er seinen ultimativen Ratschlag für deutsche Unternehmer: „Vermeidet Konformismus, dadurch geht Kreativität verloren und nichts Neues entsteht.“ Weil wir schon genug Gleichförmiges in Deutschland haben.

 

Wir bedanken uns vielmals für die Einblicke, die Thomas Andrae mit uns geteilt hat!